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Frauen, Spiritualität und Lügen: Was die Kirche dir nicht sagt



In diesem Sommer, als die Welt – und vielleicht auch ich – etwas aus dem Gleichgewicht geraten war, packte ich kurzerhand meine Sachen und verschwand für ein paar Wochen. Boris und Sky begleiteten mich auf meiner Suche nach Ruhe und Stille, die mich schließlich auch nach Montenegro führte. Dort, in den Höhen des Klosters Ostrog, wo Stein und Himmel sich fast berühren, fühlte es sich an, als ob die Zeit stehengeblieben wäre.

Normalerweise lassen mich Kirchen oder heilige Stätten eher kalt. Ich erinnere mich nur allzu gut an die leeren Rituale und die Strenge der Religion, die mich als Kind so sehr entfremdet hatten. Aber in diesem Kloster war es anders. Es war nicht nur die Stille, obwohl sie tief und alles durchdringend war. Es war eine seltsame Vertrautheit, als hätte ich endlich den Ort gefunden, nach dem ich mein ganzes Leben gesucht hatte – ohne es zu wissen.

Warum konnte ich diese Verbindung nicht auch im Alltag spüren? Warum war die Religion, die ich kannte, so distanziert und dogmatisch, während ich hier einen Frieden erlebte, der mir in der Kirche immer verwehrt geblieben war?

Mir wurde klar, dass mich die Religion, in die ich hineingeboren wurde, entfremdet hatte. Schriften, die Frauen verurteilten, Regeln, die uns kleinhalten sollten. All diese Strukturen vermittelten das Gefühl, dass Frauen schwach oder sündhaft seien – und nie wirklich Teil einer größeren spirituellen Wahrheit.


Religion als Kontrollinstrument

Es ist seltsam, wie oft Religion als Vorwand genutzt wird, um andere zu verurteilen, Gewalt zu rechtfertigen und starren Dogmen zu folgen, die so gar nichts mit Liebe und Einheit zu tun haben. Menschen, die in die Kirche gehen und über Vergebung und Gnade predigen, scheinen oft dieselben zu sein, die im Alltag andere verurteilen oder – noch schlimmer – Kriege im Namen ihrer Religion führen.

Religion unterteilt die Welt in „Gut“ und „Böse“ und akzeptiert nur eine „richtige“ Glaubensrichtung. Viele Menschen glauben, dass sie gut sein müssen, um Strafe zu vermeiden, anstatt zu erkennen, dass wahres Gutsein aus einer natürlichen Verbundenheit mit dem Universum und der Welt um uns herum entsteht. Wenn wir in Einklang mit uns selbst und der Welt sind, brauchen wir keine Drohungen mit der Hölle – wir handeln gut, weil es in unserer Natur liegt.

In der Religion, wie sie mir vermittelt wurde, tragen Frauen oft die Last der Sünde und Schuld, während Männer als Führer und spirituelle Autoritäten angesehen werden. Kein Wunder, dass ich mich immer weiter von dieser Art des Glaubens entfernte.


Auf der Suche nach neuen Wahrheiten

Da fiel mir plötzlich ein Vortrag ein, den ich vor Jahren von Gregg Braden in London gehört hatte. Er sprach davon, dass wichtige Schriften absichtlich aus der Bibel entfernt wurden – Texte, die eine ganz andere Sicht auf das Göttliche und die Rolle der Frauen boten. Das weckte meine Neugier, und ich begann, tiefer zu graben. Dabei stieß ich auf die Nag-Hammadi-Schriften – alte Texte, die eine viel tiefere Wahrheit über die spirituelle Rolle der Frauen enthüllen. Eine Wahrheit, die bewusst unterdrückt worden war.

Und parallel dazu stieß ich auf ein Buch, das alles noch deutlicher machte: „Als Gott eine Frau war“ von Merlin Stone. Es öffnete mir die Augen für die lange verlorene Geschichte der Göttin und die Macht, die Frauen einst in spirituellen Gemeinschaften hatten. Es passte perfekt zu dem, was ich in den Nag-Hammadi-Schriften gelesen hatte.


Die verborgene Rolle der Frauen

Die Nag-Hammadi-Schriften wurden 1945 in Ägypten entdeckt und enthalten gnostische Texte aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Diese Texte zeigen eine Welt, in der Frauen nicht die Sünderinnen und Versucherinnen waren, wie sie oft dargestellt werden. Stattdessen waren sie spirituelle Führerinnen, Trägerinnen göttlicher Weisheit und gleichberechtigte Partnerinnen in der Schöpfung.

Während die patriarchalischen Strukturen der Religion über Jahrhunderte hinweg Frauen mit Scham und Schuld belasteten, offenbaren diese alten Texte eine ganz andere Realität. Frauen spielten eine zentrale Rolle in der spirituellen Entwicklung – sie waren nicht die Sündenböcke, die für den „Fall der Menschheit“ verantwortlich gemacht wurden.

Doch die etablierten Kirchen, vor allem die orthodoxen und katholischen Traditionen, haben Frauen aus heiligen Räumen verbannt. Sie durften keine spirituellen Führerinnen sein, durften nicht einmal in den Altarraum treten. Diese gnostischen Texte laden uns ein, diese Sichtweise zu hinterfragen und die Ketten der alten Dogmen abzulegen.


Eine gezielte Unterdrückung

Die Bibel, wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis einer gezielten Auswahl. Die frühen Kirchenväter entschieden, welche Schriften aufgenommen und welche weggelassen wurden. Texte, die Frauen wie Maria Magdalena als spirituelle Führerinnen darstellten, wurden bewusst entfernt. Stattdessen wurde ein Bild gezeichnet, das Frauen als passiv und sündhaft darstellte.

Diese bewusste Unterdrückung weiblicher Stimmen war kein Zufall. Frauen wie Maria Magdalena, die in den Nag-Hammadi-Schriften als enge Vertraute und spirituelle Lehrerin Jesu dargestellt wird, wurden aus der Bibel verdrängt. Religion wurde zu einem Instrument der Kontrolle, basierend auf Angst und Schuld.

Doch wahre Spiritualität funktioniert nicht durch Angst. Es braucht keine Drohung mit Strafe, um zu erkennen, was richtig und falsch ist. Wahre Spiritualität entsteht aus einer tiefen, natürlichen Verbindung zur Welt und zum Universum, die uns lehrt, gut zu handeln, weil es in unserer Natur liegt.


Die Göttin wiederentdecken

Die Erkenntnisse aus den Nag-Hammadi-Schriften und Merlin Stones Buch zeigten mir eine neue Form der Spiritualität. Eine, die nichts mit den starren Dogmen der Religion zu tun hat, die ich kannte. Diese neue Spiritualität basiert auf der Verbindung zur Natur und der Weisheit, die in jedem Menschen steckt – egal ob Mann oder Frau.

In alten Kulturen wurde die Göttin verehrt. Sie steht für Weisheit, Schutz und Transformation. Ihre Wiederentdeckung bedeutet eine Rückkehr zu einer Spiritualität, die niemanden ausschließt und in der Frauen als Quelle des Lebens und der Weisheit anerkannt werden.


Religion war schon immer ein Instrument der Macht. Sie wurde geschaffen, um zu kontrollieren, um Menschen in Schach zu halten, ihnen zu sagen, was sie denken, glauben und wie sie handeln sollen. Es geht nicht darum, uns näher zu Gott oder dem Göttlichen zu bringen – es geht darum, uns in einer Welt der Angst und der Zwänge gefangen zu halten. Die Regeln, die uns auferlegt wurden, haben nichts mit wahrem Glauben oder Liebe zu tun, sondern alles mit Kontrolle und Macht. Diejenigen, die die Religionen führen, haben über Jahrtausende Machtstrukturen etabliert, die uns trennen, statt uns zu vereinen.

Doch Spiritualität ist das genaue Gegenteil. Sie verlangt keine Regeln, keine Schuld, keine Angst vor Bestrafung. Sie ist das, was tief in uns wohnt, die Verbindung zu uns selbst, zur Natur, zum Universum. Es geht darum, die innere Weisheit zu erkennen, die in uns allen lebt – jenseits von Dogmen, jenseits von Kirchenmauern. Spiritualität ist frei. Sie kennt keine Grenzen, keine „richtige“ oder „falsche“ Art zu glauben. Sie bietet uns die Möglichkeit, unsere eigene Wahrheit zu finden und das Göttliche auf unsere eigene Art und Weise zu erfahren, ohne Zwang oder Angst.

 
 
 

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