"Wenn du Konflikte vermeidest, um den Frieden zu bewahren, startest du einen Krieg in dir selbst"
- Adela Kohl

- 3. Juli 2024
- 2 Min. Lesezeit
(Nedra Glover Tawwab)

In unserem Bestreben, den Frieden zu bewahren und harmonische Beziehungen zu pflegen, neigen wir oft dazu, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Diese noble Eigenschaft kann jedoch gefährliche Nebenwirkungen haben. Das ständige Vermeiden von Auseinandersetzungen führt dazu, dass unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen kontinuierlich übergangen werden. Dies staut Frustration und Unzufriedenheit in uns auf, die letztendlich zu einem inneren Krieg führen können. Wir müssen erkennen, dass das Vermeiden von Konflikten nicht nur eine kurzfristige Lösung ist, sondern langfristig unser emotionales und mentales Wohlbefinden schädigt. Menschen, die unsere Friedfertigkeit als Schwäche interpretieren, nutzen diese aus und überschreiten unsere Grenzen. Dadurch riskieren wir, uns in einem Zustand ständiger Selbstaufopferung zu befinden, der uns emotional und mental erschöpft.
Unsere Umgebung spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Du verdienst es, in einer Umgebung zu sein, die deine Sanftheit hervorbringt, nicht deinen Überlebensinstinkt.
Leben wir in einem Umfeld, das unsere Sanftheit respektiert und unterstützt, oder sind wir gezwungen, ständig auf der Hut zu sein und uns zu verteidigen? Ein unterstützendes Umfeld fördert unser Wohlbefinden und ermöglicht es uns, unsere Bedürfnisse klar zu kommunizieren und gesunde Grenzen zu setzen. In einem feindseligen Umfeld hingegen müssen wir ständig kämpfen, was auf Dauer unsere Energie, Freude und inneren Frieden raubt. Es ist daher essentiell, regelmäßig zu reflektieren, ob unsere Umgebung uns nährt oder schadet. Wenn wir feststellen, dass unser Umfeld uns mehr schadet als nützt, sollten wir den Mut haben, notwendige Veränderungen vorzunehmen. Sich von negativen Einflüssen zu distanzieren ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Selbstrespekt.
Indem wir Konflikten aus dem Weg gehen, wiederholen sich unangenehme Situationen immer wieder und die emotionale Belastung nimmt zu.
Menschen, die von unserer Zurückhaltung profitieren, könnten uns als konfliktfreudig oder unfriedlich darstellen wenn wir Grenzen zeigen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Du musst dich nicht selbst in Flammen setzen, um andere zu wärmen.
Selbstaufopferung ist kein nachhaltiger Weg, um Beziehungen zu pflegen oder Harmonie zu bewahren. Indem wir uns selbst verbrennen, um anderen zu gefallen oder Konflikte zu vermeiden, gefährden wir unser eigenes Wohlbefinden und erschöpfen unsere inneren Ressourcen. Wahre Fürsorge und gesunde Beziehungen entstehen nicht aus Selbstaufopferung, sondern aus einem Gleichgewicht von Geben und Nehmen, das sowohl unsere eigenen Bedürfnisse als auch die der anderen respektiert. Es ist entscheidend, dass wir lernen, unsere Grenzen zu setzen und für uns selbst einzustehen, ohne das Gefühl zu haben, dass wir unsere eigene Integrität opfern müssen.
Und zu guter Letzt gibt es noch einen bedeutenden Aspekt des Konfliktvermeidens, den wir unbedingt erwähnen sollten. Schweigen mag oberflächlich wie eine einfache Flucht erscheinen, doch die unausgesprochenen Worte tragen eine schwere Last und hinterlassen eine unausweichliche Schuld. Wenn wir Konflikte vermeiden, verraten wir nicht nur unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen, sondern signalisieren oft auch eine stille Zustimmung zu Zuständen, die uns schaden. Dieses Schweigen kann eine Form von Selbstverleugnung und innerem Verrat sein. Für mich ist es entscheidend, Konflikte offen anzusprechen, klare Grenzen zu setzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Denn nur so können wir authentische Verbindungen schaffen und unseren inneren Frieden sowie unsere Selbstachtung bewahren.



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