Wenn das Unsichtbare endlich gefühlt werden darf – und deine wahre Energie zurückkehrt
- Adela Kohl

- 7. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Warum du dich leer fühlst, obwohl du alles richtig machst – eine Einladung, dich zu erinnern, zu fühlen und dir selbst wieder nahe zu kommen.

Du bist jemand, der Verantwortung übernimmt. Der an andere denkt. Der sich kümmert. Der nicht zu laut ist, nicht zu viel, nicht zu schwierig. Du bist jemand, der das Leben meistert – irgendwie. Und trotzdem liegt da manchmal etwas wie ein Schatten über deinem Tag. Ein Gefühl von Leere, das du nicht benennen kannst. Ein innerer Rückzug, den du dir nicht erklären kannst. Ein ständiger Druck, alles richtig zu machen – und trotzdem nie ganz anzukommen.
Vielleicht fragst du dich, woher das kommt. Und vielleicht liegt die Antwort nicht in dem, was heute passiert – sondern in dem, was du damals gelernt hast.
John Bradshaw hat diese innere Leere beschrieben. Er hat sie nicht pathologisiert, sondern verstanden. Und er hatte den Mut, auszusprechen, was viele spüren, aber nie gesagt bekommen haben: Dass in manchen Familiensystemen nicht laut geschrien wurde, aber die Seele trotzdem gelitten hat. Dass manche Familien nicht laut toxisch waren – sondern still zerstörerisch. Nicht aus Bosheit, sondern aus Wiederholung. Nicht durch Schläge, sondern durch die Abwesenheit von echtem Kontakt.
Du wurdest vielleicht nie gefragt, wie es dir wirklich geht – nur, ob du deine Hausaufgaben gemacht hast.
Du wurdest vielleicht gelobt, wenn du funktioniert hast – aber ignoriert, wenn du gefallen wolltest. Vielleicht hast du früh gelernt, dass Anpassung sicherer ist als Ausdruck. Dass Kontrolle besser funktioniert als Gefühl. Dass Gehorsam Anerkennung bringt – aber nur, wenn du still genug bist, nicht aufzufallen.
Bradshaw nennt das „giftige Pädagogik“ – eine Art der Erziehung, die das Kind nicht sieht, sondern formt. Die Beziehung durch Kontrolle ersetzt. Die Gefühle als Bedrohung erlebt – und deshalb abschneidet. Eine Erziehung, die sich auf Regeln, Erwartungen und Rollen stützt – und dabei das echte Wesen des Kindes aus dem Blick verliert.
Wichtig: Das Gegenteil davon – permissive Erziehung – ist nicht liebevoller, sondern oft ebenso destruktiv. Wenn Kinder keine klaren Grenzen, keine Führung und keine Konsequenz erfahren, verlieren sie inneren Halt. Freiheit ohne Orientierung ist keine Befreiung – sie ist Überforderung.
Wahre Führung bedeutet nicht Kontrolle – und auch nicht Nachgiebigkeit.
Sie bedeutet, in unserer Mitte zu bleiben, während das Kind seine Gefühle hat.
Nicht einknicken, nicht zurück schreien, sondern still und bewusst halten.
Grenzen zu setzen – mit Klarheit und Mitgefühl.
Standhaft zu bleiben – auch wenn das Kind sich dagegen wehrt.
Und gleichzeitig zu sehen, woher sein Schmerz kommt.
Führung heißt nicht, das Kind zu formen – sondern ihm einen sicheren Rahmen zu geben, in dem es sich selbst erfahren darf.
Eltern sein heißt, die Verantwortung für die eigene emotionale Welt zu übernehmen – damit das Kind es nicht tun muss
Wenn du dich heute oft leer fühlst, liegt es vielleicht daran, dass du schon als Kind lernen musstest, dich zu verlassen, um sicher zu sein. Dass du nur dann Liebe gespürt hast, wenn du Erwartungen erfüllt hast. Dass du vielleicht nicht traurig sein durftest. Nicht wütend. Nicht laut. Nicht frei. Und dass du irgendwann aufgehört hast, diese Gefühle überhaupt zu spüren – weil sie zu viel waren. Für deine Eltern. Für das System. Für die Vorstellung von „richtigem“ Verhalten.
Und so wächst du heran. Wirst Partnerin. Freund. Vater. Führungskraft. Und trotzdem bleibt da dieser leere Raum in dir. Der Moment, in dem du nach außen lächelst – und innen schweigst. Der Moment, in dem du alle Erwartungen erfüllst – und trotzdem das Gefühl hast, dass du selbst nicht ganz da bist. Dass du zwar gebraucht wirst, aber nicht wirklich gesehen.
Diese Leere ist kein Versagen. Sie ist ein Symptom. Ein Zeichen dafür, dass du nicht falsch bist – sondern dass etwas in dir nach Aufmerksamkeit ruft. Etwas, das du so lange unterdrückt hast, um geliebt zu werden. Etwas, das du irgendwann geopfert hast, um dazuzugehören.
Bradshaw spricht davon, dass viele Erwachsene ihr Leben lang versuchen, durch Leistung, Fürsorge oder Überanpassung jene Anerkennung zu bekommen, die sie als Kinder nicht fühlen durften. Dass sie sich "überverantwortlich" fühlen – weil sie nie gelernt haben, sich selbst zu halten. Dass sie Nähe für andere erschaffen – aber sich selbst darin verlieren. Dass sie so viel Kraft aufwenden, um „richtig“ zu sein – und am Ende trotzdem das Gefühl bleibt: Ich genüge nicht.
Doch dieser Schmerz will dich nicht zerstören.
Er will dich zurückbringen.
Zu dir.
Und so kannst du dir helfen – wie Bradshaw es beschreibt
Und vielleicht beginnt es genau da, wo du erkennst, dass Scham und Schuld nicht deine Wahrheit sind –sondern alte Programme, die dich klein halten.
Sie gehören zu den niedrigsten Energien, die ein Mensch fühlen kann. Sie lähmen. Sie ziehen dich nach unten. Sie halten dich ab, du selbst zu sein. Aber sie sind heilbar.
Heilbar, indem du sie nicht länger versteckst – sondern ans Licht holst. Indem du dich nicht mehr regulierst, damit andere sich wohler fühlen. Indem du dich nicht mehr darüber definierst, ob du funktionierst –sondern darüber, ob du echt bist. Indem du aufhörst, dich über Anpassung zu retten –und beginnst, dich über Mitgefühl zu erinnern.
Nicht perfektionistisch. Sondern ehrlich.
Nicht angepasst. Sondern lebendig.
Nicht fehlerlos. Aber verbunden.
Was du als Kind nicht fühlen durftest,hat sich nicht in Luft aufgelöst.
Es lebt in dir.Und es wird lauter, je länger du versuchst, es zu übergehen.
Es verlangt nicht Erlösung von deinen Eltern. Nicht, dass sie endlich sehen, hören, verstehen.
Es verlangt etwas viel Radikaleres: Dass du dich selbst nicht mehr verlässt.
Heilung beginnt nicht mit einem großen, heiligen Moment. Sondern mit dem ersten, echten Atemzug, den du dir wieder erlaubst.
Mit dem Mut, in deinem eigenen Körper zu landen. Mit dem Entschluss, nicht mehr wegzurennen – sondern dich zu halten.
Du musst nicht perfekt sein, um dich selbst lieben zu dürfen.
Du musst nicht geheilt sein, um mit dir anfangen zu dürfen.
Du darfst einfach sagen:
Ich erlaube mir zu fühlen!
Nicht, weil es bequem ist. Sondern weil du nicht länger gegen dich leben willst. Weil alles, was du über Heilung weißt, nichts bedeutet, wenn du nicht den Mut hast, das Unsichtbare endlich fühlbar zu machen.
Die Antworten, die du suchst, sind nicht in Büchern versteckt.
Sie leben in deinem Körper. In dem, was du weggeschoben hast.
In dem, was sich leise gemeldet hat – und immer übertönt wurde.
Jetzt ist Zeit, dich wieder zu hören.
Und dir zu glauben.
Mehr brauchst du nicht.
Nur dich.
fühle dich umarmt,
Adela



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