Ich sehe dich
- Adela Kohl

- 1. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Ich sehe, wie du morgens aufwachst und schon bevor du die Augen ganz öffnest, spürst, dass du dich wieder zusammennehmen musst, um den Tag zu schaffen. Wie du dir im Bad das Gesicht wäschst und dabei versuchst, die Müdigkeit aus deinem Blick zu spülen – nicht nur die körperliche, sondern diese alte, schwere Müdigkeit, die vom immer-weiter-funktionieren kommt, von den Jahren, in denen du dich selbst immer ein Stückchen zurückgestellt hast, um alle anderen zuerst zu retten.
Ich sehe dich, wenn du in deinem Kopf Listen schreibst, To-dos, Pflichten, Erinnerungen – wie du innerlich rennst, selbst dann, wenn du still sitzt.
Ich sehe, wie du mit einer Hand dein Leben hältst und mit der anderen versuchst, dich festzuhalten, damit du nicht fällst.
Und ich weiß, dass du so vieles trägst, das niemand sieht, weil du dich so daran gewöhnt hast, dass Stärke bedeutet, nicht zu zeigen, wie schwer es ist.
Ich sehe dich in den Momenten, in denen du freundlich bleibst, obwohl etwas in dir schreien will. In denen du dich entschuldigst, obwohl du nichts falsch gemacht hast.
In denen du anderen Raum gibst, während du dich selbst kleiner machst, nur um niemanden zu beunruhigen.
Ich sehe dich, wenn du nachts wachliegst und dich fragst, wann du aufgehört hast, zu träumen – nicht nur über das Leben, sondern über dein Leben.
Und ich weiß, wie sehr du dich nach Ruhe sehnst. Nicht nach Ferien, nicht nach Stille im Außen, sondern nach dieser inneren Ruhe, die sich anfühlt wie nach Hause kommen.
Ich weiß, wie müde du bist, immer wieder stark zu sein, wie sehr du dich danach sehnst, dass jemand einfach sagt:
„Du darfst jetzt ausatmen. Du musst nicht mehr kämpfen.“
Ich sehe dich, wie du lächelst, obwohl du dich fragst, ob du überhaupt noch weißt, wie sich Leichtigkeit anfühlt.
Ich sehe dich, wie du dich nach einem Ort sehnst, an dem du deine Gedanken nicht filtern musst, an dem du nicht überlegst, ob du zu viel bist oder zu still oder zu empfindlich.
Ich sehe, dass du es satt hast, immer nur die zu sein, die versteht, die hält, die heilt – und dass du dir wünschst, dass jemand dich hält, ohne dass du dafür etwas erklären musst.
Und falls du dich manchmal fragst, ob du verloren bist – nein, bist du nicht.
Du bist unterwegs.
Manchmal führt dich der Weg durch Nebel, manchmal durch Dunkelheit, manchmal durch diese zähen Tage, an denen du glaubst, nichts bewegt sich. Aber in Wahrheit bewegt sich alles.
Still, unsichtbar, zärtlich.
Ich sehe dich.
Und ich weiß, dass du denkst, du müsstest erst heiler, stärker, besser werden, um ganz zu sein.
Aber du bist es schon. Inmitten deiner Zweifel, deiner Verspätungen, deiner Tränen und deiner unausgesprochenen Sehnsucht – genau dort bist du vollständig. Du bist das unperfekte, pulsierende, atmende Leben selbst.
Und irgendwann, wenn du beginnst, dich selbst so zu betrachten, wie du all die Menschen betrachtest, die du liebst – mit Milde, mit Sanftmut, mit ehrlicher Zärtlichkeit – dann wirst du spüren, dass du dich nie hättest verlieren können.
Du warst immer hier.
Nur ein bisschen verborgen unter der Geschichte, die du dir erzählt hast, um zu überleben.
Ich sehe dich.
Und ich verspreche dir, du wirst dich auch wiedersehen. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber eines Morgens wirst du die Augen öffnen, und statt dich zusammenzunehmen, wirst du einfach da liegen, still, atmend, lebendig – und du wirst denken:
Es ist gut. Ich bin gut. Ich bin da.
Fühl dich umarmt,
Adela



Durch Zufall bin ich zu einem meditativen Abend den Adela geführt hat gekommen und ich bin begeistert gewesen mit was für einer Natürlichkeit sie uns durch den Abend geführt hat. Eine tolle Erfahrung, eine ehrlich Person, offene Teilnehmer, ganz klare Empfehlung für eine Session bei Adela mitzumachen.